Unter dem Titel „Geschichte“ finden Sie Notizen zum Instrument und zu jenen Komponist/innen, die für die Wiener Zither wesentliche Beiträge geleistet haben. Die Reihenfolge ist alphabetisch geordnet.

 

Allgemeine Informationen

Die Zither ist ein besonders traditionsreiches Musikinstrument. Wir finden Informationen zu unterschiedlichen Formen des Instrumentes in Wien ab ca. 1800, die bis heute gültige Form und Besaitung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ab dieser Zeit gibt es auch erste gedruckte Lehrwerke und viele Kompositionen, die sowohl Eingang in die eleganten Salons des Bürgertums bis in die Hocharistokratie fanden, als auch zur Unterhaltung der Zuhörer in Wirtshäusern und Heurigenlokalen der Vororte aufgespielt wurden. Durch die vom Walzerkönig Johann Strauss komponierte Zithereinlage zu seinem Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1868) und die vom Wiener Musiker Anton Karas komponierte Filmmusik zum Kultfilm „Der dritte Mann“ (1949) wurde der Klang der Wiener Zither weltberühmt und unsterblich.

 

Geschichte

Der Name der Zither geht auf das altgriechische Wort „kithara“ zurück. In historischer Zeit entstanden viele verschiedene Instrumente, die als Vorläufer der Zither gelten. Michael Praetorius zum Beispiel führt in seinem „syntagma musicum“ 1619 ein Instrument namens „Scheitholz“ an. Dieses Instrument besteht aus einem länglichen, schmalen Kasten, über den 3-4 Messingsaiten gespannt sind und zum Klingen gebracht werden. Außerdem gibt es sogenannte „Scherrzithern“, „Kratzzithern“ und „Raffeles“, die allesamt in ihrer Bau- und Spielweise als Vorläuferinstrumente zur Zither gelten. Die Zither wurde am Beginn des 19. Jahrhunderts aus ländlichen Gegenden durch begüterte Bürger und Adelige in die Städte gebracht. Das Instrument fand zunächst zur Unterhaltung in Gasthäusern Verwendung, meist zusammen mit Sängern, Geige und / oder Gitarre. Als erster Zithervirtuose gilt Johann Petzmayer, der 1826 zum ersten Mal vor Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses spielte und damit die Zither salonfähig machte. Petzmayer wurde 1838 Kammervirtuose von Herzog Max in Bayern, dem Vater der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth. Die ersten Notenausgaben für Zither, die „Österreicher-Ländler“ von Alexander Baumann, erschienen 1847. Der Zithervirtuose Franz Kropf, der bereits in jungen Jahren im Lokal seines Vaters zusammen mit einem Gitarristen vergnügliche „Zyther-Soireen“ gab, wurde später der Zitherlehrer von Kaiserin Elisabeth. Etwa ab 1850 gab es für die wachsende Zahl von Interessenten die ersten Zitherschulen.

Carl Ignaz Umlauf veranstaltete 1856 das erste Zitherkonzert im Saal des Musikvereins Wien und etablierte damit die Zither im klassischen Musikbetrieb. Das Instrument fand auch Eingang in die Musik der Brüder Strauss. 1868 spielte Anton Paschinger die Uraufführung des weltbekannten Zithersolos im Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Johann Strauss. In Wien entstanden ab 1875 erste Zitherklubs und die Zither wurde Modeinstrument der damaligen Zeit. Zithervirtuosen waren sehr geschätzt und wurden häufig zu „Kammerzitherspielern“ adeliger Familien ernannt. Mit dem Ende der Monarchie und des Mäzenatentums verlor die Zither ihre gesellschaftliche Bedeutung. Viele Amateur-Zitherspieler organisierten sich in Verbänden der Arbeiterschaft. Einige dieser Verbände gibt es noch heute.

 

Die Wiener Volksmusik und das Wiener Lied

In den Gasthäusern, Buschenschenken und Heurigenlokalen der Vororte Wiens entwickelte sich eine besondere Form der Instrumentalmusik, die ihren Höhepunkt in der Musik der Brüder Schrammel erreichte. Deren Repertoire umfasste alle bis dahin entwickelten Formen der wienerischen Musik: die „Tanz,“ den Heurigenmarsch, das Lied, die Polka und den Walzer. Das beim Heurigen gern gespielte und gesungene Wienerlied ist ein Lied entweder aus, über oder für Wien. Ein typisches Merkmal der Wiener Heurigenmusik ist die Wechselwirkung zwischen Musiker und Gast. Der wissende Zuhörer kann sowohl die Auswahl der Lieder beeinflussen als auch durch Mitsingen, Mitsummen und andere Ausdrucksformen am Geschehen teilnehmen. Das Können eines Heurigenmusikers liegt im Auswendigspielen eines großen Repertoires. Neben einem oft geringem „Fixum“ liegt die eigentliche Einnahmequelle des Musikers im „Trinkgeld,“ das er durch die Erfüllung von Publikumswünschen erhält. Von der „goldenen“ Zeit der alten Heurigenmusik sind heute in Wien nur noch vereinzelte Musik anbietende Heurige und Gaststätten übrig geblieben. Zitherspieler beim Heurigen gibt es heute vorwiegend auf individuelle Anfrage.