H. Lanner
 
 

Cornelia Mayer

Heute habt ihr wieder sehr, sehr schön gespielt!

Der Kammerzitherspieler Hans Lanner (1873 bis 1964) aus Reichenau an der Rax.
Sein Leben 1873 bis 1922, das Tagebuch und die Kompositionen für das letzte österreichische Kaiserpaar. (Erstausgabe)

   
65 Seiten A4, zahlreiche Abb., 19 Musikstücke, Revisionsbericht
EUR 19,20.- (inkl. 10% USt, excl. Versand)
Musikverlag Alexander Mayer – MVAM 01012, ISMN: M-200214-02-09
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Hans Lanner wurde 1873 in Reichenau a. d. Rax als Sohn eines Holzarbeiters geboren. Sein Geburts- und späterer Wohnort war der Scheiterplatz unweit des berühmten Hotels Thalhof, wo maßgebliche Vertreter aus Kunst und Wissenschaft Aufenthalt nahmen und schon Lanners Vater ein gesuchter Begleiter von Ausflügen (Partien) der Urlauber in die Umgebung war. Im Alter von 10 Jahren erhielt Lanner den ersten Zitherunterricht und wurde in der örtlichen Volksschule auch im Violinespielen unterrichtet.

Bei einer der Partien des Vaters konnte der junge Lanner seine Fertigkeiten auf der Zither auch den Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses beweisen und lernte dabei seinen Gönner Erzherzog Carl Franz Josef (1887-1922), den später letzten Kaiser Österreichs (Karl I.), kennen.

Von 1910 an war es für Lanner zur Selbstverständlichkeit geworden, dem Erzherzog auf der Zither vorzuspielen. Im Brotberuf seinem Vater als Holzmeister gefolgt, erhielt er wiederholt Einladungen in das kaiserliche Schloss Wartholz und spielte 1911 bei der Hochzeit des Erzherzogs mit Zita von Bourbon-Parma im Schloss Schwarzau; besuchte das Paar in den Garnisonsstädten Brandeis und Kolomea, wo er 1912 mit dem Ehrentitel Kammerzitherspieler ausgezeichnet wurde und verreiste (mit seinem Sohn Johannes) ins kaiserliche Schloss Hetzendorf, um dort zu musizieren.

Lanner wurde auch in das Exil des Kaisers in der Villa Prangins am Genfersee eingeladen (1920), um für seinen Kaiser zu spielen, wobei in diesen Wochen auch zahlreiche Musikstücke für die Mitglieder des Kaiserhauses entsanden. Es sollten in ihrer Art die letzten sein, und sie sind als Dokumente einer tiefen emotionalen Beziehung, die auch die Katastrophenjahre des I. Weltkrieges und die Monarchie überdauert hat, zu hören.

In der Mitte seines Lebens verlor Lanner seine Inspiration. Der Tod des Kaisers auf Madeira (1922) ist nicht nur eine künstlerische Zäsur; auch die ökonomischen und politischen Wirrnisse der kommenden Jahre lassen die Zither in Lanners Alltag als Holzmeister in den Hintergrund treten. Er begann jedoch, sich in seiner näheren Umgebung und in größerem Umfang als Zitherlehrer zu betätigen, was dem Instrument in Reichenau, Hirschwang und anderen umliegenden Orten zu einem beachtenswerten Aufschwung verhalft. Noch heute leben in Reichenau viele Menschen, die von Lanner unterrichtet wurden und Andenken an ihn bewahren.

Einen letzten Kontakt mit dem ehemaligen Kaiserhaus erlebte der 77jährige bei der Hochzeit des ältesten Sohnes von Kaiser Karl, Dr. Otto Habsburg, im französischen Nancy, wohin er als Zitherspieler engagiert wurde. Nach dem Tod seiner Frau Maria (1953) lebte Lanner noch über ein Jahrzehnt auf dem Scheiterplatz und tat das, was er schon in seiner Jugend tat: er spielt vor urlaubenden Gästen Zither und wurde ein überregionaler Begriff. Am 13. Februar 1964, nach 90 arbeits- und ereignisreichen Jahren, endet Hans Lanners Leben dort, wo es begonnen hat: am Scheiterplatz in Reichenau an der Rax.

Lanner spielte auf und komponierte für eine Zither in der Umlaufschen Wiener Stimmung. Diese unterscheidet sich von der – nunmehr weitaus gängigeren – Standardbesaitung durch tiefe Bässe im Bassregister der Freisaiten und nicht zuletzt durch die Hilfssaite g1 am Griffbrett. Diese Zither ist ein Instrument, das aus der Volksmusik entstanden ist, dort nach den aufführungspraktischen, harmonischen und melodischen Notwendigkeiten geformt wurde und sich schlussendlich auch in der Kunstmusik und in allerhöchsten Kreisen etablierte. Der Holzarbeiter, kompositorische Autodidakt und spätere Kaiserliche Kammerzitherspieler Hans Lanner ist ein Stück dieses Weges mitgegangen.

In einem Tagebuch, das in dieser Publikation zum ersten Mal vollständig abgedruckt ist, hat Lanner seine Eindrücke von seinen Reisen aufgeschrieben. Dieser Band enthält auch sämtliche erhalten gebliebene Musikstücke Lanners, die bis 1922 entstanden sind.

 







   
 

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Notenbeispiele


Hans Lanner CD

Reichenau a.d. Rax